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Künstliche Intelligenz - Transhumanismus

DER TRAUM VOM PERFEKTEN MENSCHEN DURCH KÜNSTLICHE INTELLIGENZ (TRANSHUMANISMUS)

„…und ihr werdet sein wie Gott“ Gen 3,5)

Der derzeit reichste Mensch der Welt, Elon Musk, gehört zu den einflussreichsten Denkern unserer Zeit – heftig umstritten, aber gerade deshalb in aller Munde. Er gründete unter anderem PayPal, SpaceX, Tesla, OpenAI und Neuralink und übernahm den Nachrichtendienst Twitter, den er in X umbenannte, was ihm unbegrenzte Reichweite für seine Ideen verschaffte. Musk investiert Milliarden in künstliche Intelligenz, mit deren Hilfe er nicht nur das Universum entschlüsseln, sondern auch den perfekten Menschen schaffen möchte. Er widmet sich mit seinen Unternehmen dem Fortschritt der Menschheit durch Technologie und ist so sehr von technologischem Optimismus besessen, dass er seinen jüngsten Kindern nicht gängige Namen wie Noah oder Oliver gab, sondern sie mit technisch-wissenschaftlichen Begriffen wie X Æ A-Xii und Exa Dark Sideræl nennt.

Transhumanismus als nächste Stufe der Evolution

Transhumanismus nennt sich Musks ambitioniertes Projekt. Dahinter steckt die Idee, das menschliche Leben durch die Kombination von künstlicher Intelligenz erheblich zu verbessern und zu verlängern. Die nachkommende Generation wird eine Art Mensch-Maschine sein und damit viel intelligenter als wir. Musk glaubt an eine technisch mögliche Form des ewigen Lebens, da unser Denken in Zukunft auf leistungsfähige Rechner transferiert werden könne. Er hält dieses Szenario nicht für ein Hirngespinst; vielmehr ist er überzeugt, dass wir eine nächste Stufe der Evolution erreichen werden. Teile unserer Gehirne sollen durch Technologie ersetzt werden, was die Grenzen unserer derzeitigen intellektuellen Fähigkeiten sprengen werde. Musk formuliert seine Ziele unmissverständlich:

„Wenn wir eine Zukunft aufbauen wollen, in der wir als Menschen leben können, müssen wir die Grenzen zwischen Mensch und Maschine erweitern […]. Wenn wir nicht annehmen, dass die Menschen Teil der Maschinen sind, könnten wir in der Zukunft signifikant zurückbleiben […]. Ich glaube, dass wir unser Gehirn mit einer Art Software aufrüsten müssen, um in der Zukunft mit der KI Schritt zu halten.“

Es ist beeindruckend, wie Elon Musk seinen aussergewöhnlichen Verstand einsetzt, um für nahezu jedes Problem unserer Welt technische Lösungen zu finden. Er bedenkt eine schier endlose Vielfalt an Möglichkeiten, wie Technologien zugunsten der Menschheit eingesetzt werden können. Selbst das Universum scheint ihm keine Grenzen zu setzen. Musk ist ein Pionier in vielerlei Hinsicht. Dabei geht er unerschrocken pragmatisch vor, denkt “outside the box” und lässt sich nicht von festgefahrenen Strukturen und Denkrichtungen aufhalten. Er hinterfragt vieles, was über Jahrzehnte als selbstverständlich galt und bietet Lösungen an, die für viele als tabu gelten. Mit seinem beherzten Handeln sorgt er häufig für Kontroversen.

Auf der anderen Seite wünschen sich viele Techgiganten, einschliesslich Musk, uneingeschränkte Freiheiten für modernste Technologien und möchten ohne Einschränkungen experimentieren.

Sie planen ein KI-Projekt im Umfang von 500 Milliarden US-Dollar, das den grössten Boom der Geschichte auslösen soll. Musk beschäftigt sich mit der Idee, menschliches Leben in digitaler Form weiterzuführen. Er und andere Tech-Visionäre träumen vom Transhumanismus, der nicht nur bahnbrechende medizinische Fortschritte verspricht, sondern auch die Möglichkeit, die im menschlichen Hirn gespeicherten Prozesse und Gedanken auf Servern zu speichern und so praktisch ewig zu erhalten. Der evolutionäre Wandel des Menschen, so seine Überzeugung, wird auf eine neue Stufe gehoben. Der neue Horizont ist die Verbindung von Mensch, Technik und Künstlicher Intelligenz.

Türme, die in den Himmel wachsen und dann zusammenbrechen

Die Verlockung, von der begehrenswerten Frucht zu essen, die uns weise macht, um das menschliche Potenzial ins schier Grenzenlose zu erweitern und quasi göttlich zu werden, ist so alt wie die Menschheit (Gen 3,5-7). Ebenso alt ist der Traum von einem goldenen Zeitalter der menschlichen Einheit mit grenzenlosem Wohlstand, dem ewigen Machtbarkeitswahn, die Türme bis in den Himmel zu bauen und sogar das unendliche Weltall zu entschlüsseln und zu nutzen. Musk träumt davon, den Mars zu kolonisieren.

Donald Trump versprach der US-Bevölkerung am 4. März in seiner Rede an die Nation vor dem Kongress ein solches goldenes Zeitalter: „Der amerikanische Traum ist unaufhaltsam, und unser Land steht vor einem Comeback, wie es die Welt noch nie gesehen hat und vielleicht auch nie wieder sehen wird. So etwas hat es noch nie gegeben.“

Trump ist nicht der erste, der in völliger Selbstüberschätzung versucht, den Himmel auf die Erde zu holen. Im Römischen Reich war es beispielsweise Kaiser Oktavian, besser bekannt als Augustus. Dieser liess sich – wahrscheinlich mehr aus politischem Kalkül – im Reich als Retter der Welt feiern. In den Inschriften festgehalten, behauptete er, nicht nur sämtliche früheren Wohltäter der Menschheit übertroffen zu haben, sondern es sei auch unmöglich, dass je ein Grösserer kommen könne. Zwischen Augustus und Trump gab es unzählige Herrscher, die sich ähnlich äusserten.

Was veranlasst Politiker, Wissenschaftler, Techniknerds und Philosophen immer wieder, von einer glorreichen Zukunft zu träumen, die mit nichts zu vergleichen ist, was es je zuvor gegeben hat? Ist es das Vertrauen in die Genialität der Menschen? Aber hat die lange Geschichte der Menschheit nicht längst Einsteins Überzeugung bewiesen, dass vielleicht nicht das Universum, aber ganz sicher die Dummheit der Menschen grenzenlos ist?

Die Bibel hält nüchtern fest: „Der Mensch ist böse von Jugend auf“ (Gen 8,21). Weiter heisst es: „Verderbt, abscheulich handeln sie, keiner ist, der Gutes tut“ (Ps 14,1).

Die schätzungsweise 14.000 Kriege mit rund drei Milliarden Opfern seit dem Jahr 3600 v. Chr. bis in unsere Zeit zeugen von dieser grenzenlosen Dummheit und Boshaftigkeit der Menschen – und eine Besserung ist nicht in Sicht!

Die Rettung der Menschheit durch KI

Elon Musk, dieses hochintelligente Technikgenie, scheint sich der Mangelhaftigkeit der Menschen bewusst zu sein. Seiner Meinung nach ist der Mensch das zentrale Problem unserer Misere. Mit dem gewöhnlichen Homo sapiens sieht er die Zukunft als verloren an. Daher versucht er, nichts weniger als die Welt zu verbessern, die Zukunft zu sichern und die Menschheit zu retten. Dies geschieht jedoch nicht etwa durch die Bekämpfung des weltweiten Bevölkerungszuwachses, sondern durch das Gegenteil: Es braucht noch viel mehr geniale Köpfe, oder besser gesagt, Hirne, die die Menschheit voranbringen. Musk leistet seinen persönlichen Beitrag, indem er mit drei verschiedenen Frauen, mit denen er nie verheiratet war, insgesamt 12 Kinder zeugt.

Elon Musk ist nicht der einzige und auch nicht der erste Mensch, der in der Künstlichen Intelligenz die Rettung der Welt sieht. Futurist Ray Kurzweil beispielsweise vertritt die Ansicht, dass die Technologie unsere menschlichen Fähigkeiten bald übertreffen wird. Für ihn ist es daher zentral, dass Menschen mit Maschinen und Künstlicher Intelligenz verschmelzen, da die nicht-biologischen Teile unseres Gehirns eine tausendmal höhere kognitive Kapazität aufweisen als die natürlichen biologischen Teile.

Mithilfe dieser Technologie könnten wir mit der von uns geschaffenen, künstlichen und in die Cloud hochgeladenen Superintelligenz zu einem neuen KI-Ich verschmelzen. Teile unserer Gehirne würden durch Technologie ersetzt; unser Verstand würde exponentiell wachsen und unsere Intelligenz sich millionenfach erweitern. So schafft sich der Mensch quasi neu. Seine denkerischen Fähigkeiten wären nicht mehr durch die 1400 Gramm schwere graue Substanz mit ihren 100 Milliarden Nervenzellen begrenzt, sondern könnten millionenfach schneller arbeiten.

Der Segen der modernen Technik

Man kann sich zweifellos viele segensreiche Verbesserungen durch Biotechnologie und Künstliche Intelligenz vorstellen. Wir sollten sie nicht einfach verteufeln – das haben Christen nahezu bei allen technischen Erneuerungen getan! Mithilfe von Technologie und Chemie haben wir in den letzten Jahrzehnten unser Leben massiv verlängert und die Gesundheit verbessert. Viele von uns haben von lebensrettenden Operationen oder Medikamenten profitiert.

Wenn neue Technologien den Alterungsprozess verlangsamen, Hirnverletzungen reparieren oder versagende Organe wie Leber oder Niere ersetzen, oder wenn sie Alzheimer und viele andere heimtückische Krankheiten heilen, dürfen wir uns freuen, dass Gott Menschen begabt, die anderen etwas Gutes tun.

Darüber hinaus sollten wir dankbar sein, dass Gott uns in seiner allgemeinen Gnade Menschen wie Musk schenkt – unabhängig von der moralischen Bewertung ihres Lebensentwurfs –, die darüber nachdenken, wie moderne Technik die Quantität und Qualität des Lebens verlängern und verbessern kann. Technologie kann den Menschen sehr nützlich sein, ihren Alltag erleichtern und ihre Gesundheit fördern.

Zudem lässt sich technologischer Fortschritt nie aufhalten; er ist unvermeidlich, denn seine Vorteile werden die Menschen immer überzeugen. Doch auch Technologie ist nicht neutral. Die Frage ist, wofür wir sie einsetzen. Technologie muss reguliert und gegebenenfalls gezähmt werden, denn unkontrollierte Technologie kann schädlich sein.

Der Fluch der modernen Technik

Die letzten 150 Jahre legen ein eindrückliches Zeugnis von der zerstörerischen Kraft der Technologien für Mensch und Natur ab. Mit der Technologie von heute haben wir nicht nur viele Krankheiten geheilt, sondern auch grosse Teile unserer Welt zerstört. In den letzten rund 150 Jahren haben wir es geschafft, der Erde mehr Schaden zuzufügen als die gesamte Menschheit zuvor. Mit einem Knopfdruck wären wir in der Lage, unsere Erde zu vernichten.

Technologischer Fortschritt bedeutet längst nicht immer Segen. Dieser naive Glaube ist in unserer Generation widerlegt. Künstliche Intelligenz kann von Staaten zur totalen Überwachung der Bevölkerung missbraucht werden. Sie führt auch zu einer völligen Entmenschlichung und Brutalität in der Kriegsführung sowie zu vielen anderen Auswüchsen und ethischen Problemen.

Musk hat die bitteren Auswüchse moderner Technologie übrigens in seiner eigenen Familie erfahren. Er glaubt, dass Menschen technisch verändert werden können, und möchte damit eine neue Art von Menschen schaffen. Doch er ist verzweifelt, als sein eigener Sohn sich technisch-chirurgisch-chemisch in eine weibliche Person umwandeln lässt. In Musks Aussage, sein eigener Sohn sei dadurch für ihn gestorben, zeigt sich ein gewisser Widerspruch in seiner Weltanschauung: Wäre ein solcher Vorgang nicht irgendwie konsequent, wenn doch unsere jetzige Biomasse radikal in der Form einer Mensch-Maschine zu einem ganz anderen Wesen neugestaltet werden soll?

Es sind jedoch zwei andere Aspekte, die mich gegenüber dem übertriebenen Optimismus neuester Technologien skeptisch werden lassen.

Forschen ohne Regeln

Erstens sollten wir misstrauisch werden, wenn Wissenschaftler, Forscher, Technerds und auch Politiker schrankenloses Experimentieren an Menschen und der Natur fordern. US-Vizepräsident JD Vance warnte im Februar beim KI-Gipfel in Paris vor einer Überregulierung des KI-Sektors, die Innovationen ausbremsen könnte:

„Ich würde mich freuen, wenn dieser deregulierende Ansatz in vielen Gesprächen auf dieser Konferenz zum Tragen käme. Wir sind der festen Überzeugung, dass die KI frei von ideologischer Voreingenommenheit bleiben muss und dass die amerikanische KI nicht zu einem Instrument autoritärer Zensur gemacht werden darf.“

Vance scheint sich am US-amerikanischen Dichter und Philosophen John Perry Barlow zu orientieren, der am 8. Februar 1996 beim WEF in Davos stark für die Freiheit des Cyberspace eintrat und seine „Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“ so formulierte:

„Regierungen der industriellen Welt, ihr müden Riesen aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, dem neuen Zuhause des Geistes. Als Vertreter der Zukunft bitte ich euch aus der Vergangenheit, uns in Ruhe zu lassen. Ihr seid nicht willkommen unter uns. Ihr habt keine Souveränität, wo wir uns versammeln.“

Das klingt nach einer rechtsfreien Zone des Cyberspace und der KI-Forschung. Viele Tech-Evangelisten haben ähnliche Aussagen gemacht. Sie sehen die Behinderung des menschlichen Fortschritts in der Einschränkung ihrer Forschung und wollen ohne Regulierung experimentieren, um die Menschheit voranzubringen. Kein Wunder, dass ein Tech-Unternehmer wie Peter Thiel, Mitbegründer von PayPal und Milliardär, von einer Insel ohne Gesetze träumt – wahrscheinlich wäre ihm eine Welt ohne Gesetze noch lieber.

Das ist jedoch nichts anderes als ein naiver Techno-Libertarismus. Es sind Menschen, die sich für besonders klug halten und meinen, Fortschritt sei nur dann möglich, wenn alles erlaubt sei – Veränderungen sollten sich ausserhalb von Recht, Gesetz sowie gesellschaftlichen und ethischen Normen oder zumindest ausserhalb der Normen Gottes vollziehen. Musk erwähnte in einem Interview, dass er nicht an ein Superbewusstsein glaube, das jede unserer Bewegungen überwacht und diese nach bestimmten Kriterien bewertet. Seiner Meinung nach gibt es in der KI zwar Ethik und Gesetz, aber keinen Richter.

Bei Gott gibt es keine rechtsfreien Zonen! Er hat uns Menschen Grenzen in unserem Wirken gesetzt. Der Mensch darf nicht völlig frei schalten und walten. Wo immer er versucht, dies zu tun, hat es gravierende Konsequenzen. Gott schützt beispielsweise unsere körperliche Integrität, aber auch unsere Freiheit, Würde und unser Eigentum. Menschen haben kein Recht, andere Menschen oder die Natur auszubeuten. Wir sollen die Erde bebauen und bewahren, nicht ausrauben und zerstören (Gen 2,15).

KI-Forscher würden dagegenhalten, dass die zukünftige Mensch-Maschine diesem biblischen Ideal entsprechen wird: Kein Raubbau an der Erde, keine Versklavung der Menschen.

Die künstliche Intelligenz ist jedoch genau das, was ihr Name verspricht: menschlich geschaffene Intelligenz. Ihr werden daher immer menschliche Eigenschaften anhaften. Es sind Menschen – also KI-Forscher, Datenwissenschaftler, Softwareentwickler, Statistiker, Ingenieure, Ethiker und Rechtsexperten – die die KI entwickeln. KI wird daher nie neutral sein, sondern immer von einer spezifischen Gruppe für ihre Zwecke missbraucht werden. Selbst wenn Menschen mittels künstlicher Intelligenz perfektioniert werden können, so sind es immer Menschen, die dies tun. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dabei wieder eigennützige Ziele verfolgt werden. Bei der KI werden systemische Risiken grossflächig ignoriert. Die KI könnte mehr Schaden anrichten, als sie Nutzen bringt. Es scheint, dass wir den Geist, den wir aus der Flasche befreit haben, nicht mehr zurück in die Flasche bekommen.

Das Hauptproblem unserer menschlichen Misere ist nicht mangelndes Wissen, sondern die Sünde

Zweitens: Das grösste Hindernis unseres Fortschritts sind nicht die Schranken, die der Forschung auferlegt werden, sondern vielmehr unsere Sünde und unsere Entfremdung von Gott. Solange dieses Problem nicht überwunden wird, bleiben wir unverbesserliche Egoisten, die nicht bauen und bewahren, sondern hassen und vernichten. Gott setzt der menschlichen Bosheit, dem Machbarkeitswahn und der masslosen Selbstüberschätzung wiederholt klare Grenzen (siehe Gen 7 und 8; Gen 11; Apg 12,22-23). Oft überlässt er uns jedoch unserem Treiben – zu unserem Verderben (Röm 1).

Wir sterben nicht, weil wir zu wenig Know-how besitzen, um den perfekten Menschen zu schaffen, sondern weil wir Sünder sind, weil wir gegen Gott rebellieren, seine Schöpfung ausbeuten und zerstören, einander belügen, betrügen, hassen und morden. Was wir dringend brauchen, ist nicht die technische Perfektionierung von uns Menschen, sondern die Vergebung unserer Schuld, die Versöhnung mit Gott und ja, ein neues Denkvermögen!

Dies ist jedoch nicht eine von Menschen produzierte denkerische Kapazität, die auf Algorithmen basiert, sondern vielmehr die Reparatur unseres verfinsterten Sinnes, der vom Leben mit Gott abschneidet. Wir brauchen das Entfernen unserer Unwissenheit, die unser Herz gegenüber dem Reden Gottes unempfindlich macht (Eph 4,18) – also nicht weniger als eine von Gottes Geist gewirkte neue Geburt, die Licht in der Finsternis aufstrahlen lässt, sodass wir zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes gelangen (2Kor 4,6).

Daher lehne ich den naiven Glauben ab, dass wir Menschen uns mit göttlichen Fähigkeiten ausrüsten und uns selbst retten können. Unsere korrupte, egoistische und zerstörerische Natur, die in der Bibel als Sünde bezeichnet wird, soll mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz „geheilt“ werden? Glauben wir ernsthaft, dass wir Menschen erschaffen, die stets nur das Wohl der Mitmenschen in den Vordergrund stellen?

Kriege, Krankheiten und Ausbeutung sollen dank genialer technischer Leistungen eines Tages der Vergangenheit angehören? Schaffen wir uns tatsächlich ein goldenes Zeitalter, in dem nur noch Glück, Wohlstand und langes Leben auf unserer alten Erde herrschen?

Solche Annahmen ignorieren das grundlegende Problem der menschlichen Natur: unsere radikale Verderbtheit durch die Sünde. Wahre Heilung kommt allein von Gott!

Wir sollten aus der Geschichte lernen, dass menschliche Hybris und Selbstüberschätzung über kurz oder lang die Konsequenz eines tiefen Falls mit sich bringen. Wer meint, göttlichen Status erlangt zu haben, wird bald erkennen, dass er letztlich doch nur ein Mensch bleibt. Babylons Herrscher prahlte einst:

„Zum Himmel empor will ich steigen, hoch über den Sternen Gottes werde ich meinen Thron aufrichten, und ich werde auf dem Berg der Versammlung sitzen, im höchsten Norden! Über Wolkenhöhen will ich emporsteigen, dem Höchsten mich gleichmachen“ (Jes 14,13–14).

Völlig unbeeindruckt verspottet Gott diesen selbstherrlichen Herrscher:

„Ins Totenreich hinabgestürzt wurde deine Überheblichkeit, der Klang deiner Harfen. Als Lager ausgebreitet sind unter dir Maden, und Würmer sind deine Decke. Wie bist du vom Himmel gestürzt, du Morgenstern, Sohn der Morgenröte! Wie bist du zu Boden geschmettert, der du Nationen besiegt hast!“ (Jes 14,11–12).

Mit gleicher Überheblichkeit prahlte auch der Fürst von Tyros: „Ich bin ein Gott!“ Und auch hier folgt die Konsequenz auf dem Fuss: „In den Abgrund werden sie dich hinabsteigen lassen, und du wirst den Tod eines Erschlagenen sterben im Herzen der Meere. Wirst du auch dann noch sagen: Ich bin göttlich?“ (Hes 28,8–9).

Menschlicher Machbarkeitswahn unterscheidet nicht zwischen Schöpfer und Schöpfung. Die Geschöpfe erheben sich zum Erschaffer einer perfekten Welt. Was Gott geschaffen hat, wollen wir Menschen verbessern. Diese optimistische Sicht der Menschheit widerspricht jedoch der Analyse Gottes. Unsere zukünftige Hoffnung liegt nicht in der Technologie. Zwar ist diese durchaus in der Lage, technische Probleme zu lösen, aber lange nicht alle Probleme auf unserer Erde sind technischer Art.

Die Bibel benennt unser Hauptproblem als Sünde. Können wir Sünde, unsere Entfremdung von Gott und unseren Mitmenschen sowie der Umwelt mit moderner Technologie lösen? Lassen sich Gottlosigkeit, Egoismus, Hass, Geldgier, Hochmut, Lieblosigkeit, Verleumdung, Verrat, Leichtsinnigkeit, Stolz, Wichtigtuerei, Heuchelei oder Unversöhnlichkeit mit einer Expansion unseres Wissens ausrotten?

Wir haben keine Zusage, dass wir diese Dinge eines Tages mit menschlicher Anstrengung ausrotten können. Ganz im Gegenteil – sie begleiten die Menschen von Anfang bis zum Ende ihrer unheilvollen Geschichte (siehe 2Tim 3,1–5). Der Traum von einem menschlich geschaffenen goldenen Zeitalter des Wohlstands und Glücks ist so alt wie die Menschheit, doch der Traum bleibt eine Utopie. Menschen können zweifellos technische Wunderwerke schaffen, aber aus theologischer Sicht bewegen sie sich in Richtung Katastrophe. Wann immer wir Menschen versuchen, Götter zu werden, zeigt uns Gott, dass wir es nicht einmal schaffen, richtig Mensch zu sein.

Zwei völlig unterschiedliche Erlösungskonzepte

Dennoch besitzen wir die Zusage nicht nur für ein goldenes Zeitalter, sondern vielmehr für eine goldene Ewigkeit, die in jeder Hinsicht perfekt sein wird. In dieser Ewigkeit werden tatsächlich jede Krankheit, jeder Schmerz und sogar der Tod endgültig überwunden sein. Ewiges Glück, völlige Befriedigung, perfekte soziale Bedingungen, harmonische Umwelt, unbeschreibliche Schönheit und grenzenlose Freiheit verspricht Christus seinen Nachfolgern. Dieses Zeitalter müssen wir uns nicht selbst errichten; es wird uns geschenkt! Nicht, weil wir es verdient hätten, sondern weil Christus für uns den Gehorsam geleistet hat, den Gott von seinen Geschöpfen verlangt, und am Kreuz für uns die Strafe erlitten hat, die uns für unsere Gottlosigkeit treffen müsste. Wohl denen, die das im Glauben erfassen, Christus vertrauen und ihm gehorsam sind. Ihnen gilt die Zusage: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, empfangt als Erbe das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an“ (Mt 25,34).

Die KI-Forscher sehen – ähnlich wie die Gnosis zur Zeit des frühen Christentums – das Ideal darin, dass wir aus unseren Körpern ausbrechen, also die Trennung von Geist und Körper vollziehen. Ewiges Leben wird in diesem Konzept als unser in die Cloud hochgeladenes Hirn oder Bewusstsein verstanden. Es ist ein körperloses ewiges Leben. Was daran herrlich und begehrenswert sein soll, bleibt mir ein Rätsel! Letztendlich geht es den KI-Idealisten nicht um ein Leben in einer von Gott geschaffenen neuen Schöpfung, sondern um die menschliche Verbesserung im Hier und Jetzt. Ihre Hoffnung ist diesseitsbezogen.

Christen hingegen erwarten die Auferstehung des Körpers! In der christlichen Eschatologie besteht das Ziel nicht darin, den Menschen von seinem Körper zu befreien, sondern den gesamten Menschen als Körper-Geist-Wesen zu retten. Ja, wir müssen sterben, und unsere Seele wird, wenn man das etwas salopp ausdrücken möchte, „hochgeladen“, um beim Herrn zu sein und sich von allen Mühen auszuruhen. Aber das ist nicht das Ideal christlicher Eschatologie bzw. Endzeithoffnung, sondern die leibhaftige Auferstehung in einem verherrlichten Zustand in einer neuen, perfekten physischen Welt (1Kor 15,12–58). Die christliche Auffassung von Erlösung und Zukunftshoffnung unterscheidet sich radikal von der Sichtweise der KI-Evangelisten.

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